Lenkkopflager wechseln:

Fährt das Moped nicht mehr den gewohnt sauberen strich durch Kurven oder knackt beim scharfen Bremsen irgendwas, könnte des Rätsels Lösung im Lenkkopf liegen.

Ob die Lager das zeitliche gesegnet haben läst sich relativ leicht überprüfen, dazu das Motorrad aufbocken so dass das Vorderrad frei beweglich ist, bei Mopeds ohne Hauptständer über Seitenständer kippen.

Der Lenker muss sich leichtgängig und ohne einzurasten von Anschlag zu Anschlag bewegen lassen. Mannschmal behindern Kabel und Züge die Leichtgängigkeit. Rastet der Lenker in Mittelstellung ein so ist das Lenkkopflager defekt und muss gewechselt werden.

Um an die Lager heranzukommen muss die Gabel ausgebaut werden, d.h. Bremssättel lösen, Kotflügel demontieren, Vorderrad ausbauen, Lenker bzw. Lenkstummel lösen. Eventuell muss auch noch die Verkleidung demontiert werden.

Nachdem die Gabel ausgebaut wurde, kann die Zentralmutter der oberen Gabelbrücke gelöst werden. Jetzt kann die obere Gabelbrücke abgenommen werden, darunter befinden sich i.d.R. eine oder zwei Nutmutter und Dichtungen (Reihenfolge merken!). Die Muttern mit einem Hakenschlüssel lösen, dabei untere Gabelbrücke gegen herausfallen sichern. Ist alles gelöst kann man die Untere Brücke samt Lenkrohr nach unten rausziehen.

Meist sieht man dem Lager sein ableben an, das Fett hat sich in den Zustand von Blumenerde verwandelt und die Lageschalen sind eingekerbt.

 

Abb.:1 (Eingelaufene Lagerschale)

Es sollten unbedingt Die kompletten Lager gewechselt werden. Um die Lagerschalen aus dem Rahmen zu treiben, benötigt man einen passenden Dorn (Tipp: Vollaluminiumrohr  ca. 1cm, Länge ca. 50cm). Oft sind entsprechende Aussparungen im Rahmen vorhanden um den Dorn anzusetzen, mit leichten Hammerschlägen wechselweise untere Lagerschale austreiben, bei der oberen wird von unten genauso verfahren.

 

Abb.:2 (Lagerschalen austreiben)

 

Das untere Lager am Steuerrohr zu entfernen ist etwas kniffeliger, dieses ist aufgepresst und sitzt mitunter Bombenfest. Wer über ein entsprechendes Spezialwerkzeug verfügt ist fein raus, man kann sich aber auch anders behelfen. Mit einem Meißel vorsichtig versuchen einen Spalt zw. untere Gabelbrücke und Lager zu bringen, aber wirklich Vorsichtig da man sonst ziemlich schnell das Lenkrohr beschädigt.

Hat sich das untere Lager leicht von seinem Sitz gelöst kann man mit zwei Montierhebeln bzw. dicken Schraubenziehern oder dem Meißel das Lager hochhebeln.

 

Abb.:3 (Lager austreiben)

 

Nachdem die alten Lager entfernt sind, sollte man die aufnahmen der neuen Lager gründlich reinigen. Da neue Lager wegen Korrosion geölt sind sollten diese auch gereinigt werden (z.B. Bremsenreiniger o.ä.).

Beginnen wir mit dem Einbau der neuen Lagerschalen im Rahmen. Manchmal ist die Passung etwas locker, ist dies der fall, Sitz etwas aufrauen und Lagerschale mit Lagerklebstoff (Loctide 648/bei Stahlrahmen; Loctide 638/bei Alurahmen) einsetzen.

Ist mit der Passung im Rahmen alles i.O. Lager leicht fetten und mit einem Kunststoffhammer gefühlvoll über Kreuz eintreiben. Da die Lagerschalen meist leicht versengt im Rahmen sitzen, behilft man sich indem man eine alten Lagerschale verkehrt herum zum eintreiben des letzen Stückes benutzt.

 

Abb.:4 (Lagerschalen eintreiben)

 

Um das untere Lager auf das Steuerrohr zu bringen ist es hilfreich dieses vorher im Backofen oder mit der Heißluftpistole zu erwärmen (max. 150°C). Lenkrohr dünn fetten, eventuell vorhandene Dichtungen nicht vergessen und das erwärmte Lager aufschieben. Ein paar cm vor dem Anschlag verdickt sich das Lenkrohr, so das man für die letzten cm ein passendes Rohr benötigt. Das Rohr muss an den Enden plan und winklig sein und darf auf keinen Fall auf den Laufflächen des Rings ansetzen (bei Kugellagern) bzw. an den Lagerkäfigen (bei Kegelrollenlagern).

Bei Kegelrollenlagern kann man sich noch eines anderen Tricks behelfen, ein altes Lager ohne Lagerkäfig (Abb.:5/Roter Pfeil) verkehrt herum auf das neue Lager setzen und mit leichten Hammerschlägen (Kunststoffhammer) über kreuz eintreiben bzw. mit Aluminium-Dorn eintreiben.

 

Abb.:5 (Lager eintreiben)

 

Jetzt die Lager satt mit Fett einstreichen, dabei Lagerkäfig drehen. Lagerschalen sowie Dichtungen ebenso dick einfetten.

Nun geht’s an den Zusammenbau, Lenkrohr von unten in den Rahmen schieben, oberes gefettetes Lager einsetzen, eventuell vorhandene Dichtungen etc. montieren und Nutmutter aufschrauben (Handfest).

Untere Gabelbrücke von Anschlag zu Anschlag drehen und prüfen ob es sich gleichmäßig ohne zu schaben bewegen läst.

Nutmutter fest anziehen damit sich Lager ggf. setzen können und  wieder von Anschlag zu Anschlag bewegen.

Nutmutter soweit lösen das sich die Gabelbrücke wieder leicht bewegen läst und kein Spiel aufweist. Als nächstes werden falls vorhanden Kontermutter, Distanzstücke etc. montiert, dann wird die obere Gabelbrücke montiert und die Zentralmutter leicht angezogen.

Nun können die Gabelholme eingebaut werden (bei Lenkstummeln die unterhalb der oberen Gabelbrücke montiert sind, diese nicht vergessen). Die Gabelholme in der Höhe ausrichten und nur an der oberen Gabelbrücke festziehen.

Fahrzeug komplett montieren (Rad, Bremssättel, Schutzblech etc.).

Prüfen ob sich der Lenker leichtgängig von Anschlag zu Anschlag bewegen läst, durch ziehen und drücken am unteren ende der Gabel prüfen ob Spiel vorhanden ist (Vorderrad muss in der Luft sein).

Ist Spiel zu spüren, Zentralmutter lösen und Nutmutter um ca. halbe Nutbreite fester ziehen, Zentralmutter wieder festziehen. Vorgang solange wiederholen bis kein Spiel mehr spürbar ist. Eventuell vorhandene Lenkungsdämpfer müssen beim einstellen demontiert sein!

Lenkkopflager ist dann richtig eingestellt wenn kein Spiel zu spüren ist und sich der Lenker leichtgängig von Anschlag zu Anschlag bewegen läst.

Ist das Lager richtig justiert zieht man abschließend die Klemmschrauben der unteren Gabelbrücke fest.

Nun ist es Zeit für eine Probefahrt, ist das Lager zu fest eingestellt so kann man bei niedrigen Geschwindigkeiten nicht richtig geradeaus fahren (besonders Freihändig), ist es zu lose so bekommt man in schnell gefahrenen Kurven keinen sauberen strich zustande (was allerdings noch andere Gründe haben kann).

Nach ca. 1000km sollte man die Einstellung nochmals überprüfen, da sich die Lager gesetzt haben könnten.